So ist die Pflegefachassistenz-Ausbildung aufgebaut
Fünf Bausteine, 1.280 Stunden praktische Ausbildung nach PflFAssAPrV.
Anlage 1–3 PflFAssAPrV
Die Bausteine
Die drei mittleren Pflichteinsätze lassen sich umsortieren; Akutpflege und Ambulant können bis 2032 optional verkürzt werden.
* bis 31.12.2032 optional auf 120 Std. verkürzbar — die freien Stunden wandern dann zur „Freien Verfügung“
Klick auf „Freie Verfügung“ öffnet
Stunden zur freien Verfügung
120 Std. (Anlage 3, Position V) — bis zu 240 Std., falls Akutpflege oder Ambulant verkürzt wird
Kein fester Kompetenzkatalog wie bei den anderen Bausteinen — die Verordnung nennt mögliche Schwerpunkte, die Auswahl liegt bei der Einrichtung:
Jeder Baustein hat eine eigene Lernfunktion
Die Anforderungen entwickeln sich von der ersten Orientierung über unterschiedliche Pflegesettings bis zum weitestgehend selbstständigen Handeln.
Einführungsbaustein
Ankommen und Grundlagen entwickeln
Orientierung in der Einrichtung, erste Beziehungen aufbauen und einfache Pflegesituationen angeleitet oder teilweise selbstständig durchführen.
Ambulante Pflege
Pflege im häuslichen Umfeld
Lebensgewohnheiten und Selbstbestimmung berücksichtigen, soziale Netzwerke einbeziehen und innerhalb einer Tourenstruktur arbeiten.
Stationäre Langzeitpflege
Menschen langfristig begleiten
Beziehungen gestalten, Biografie und Lebenswelt berücksichtigen sowie Teilhabe, Orientierung und kontinuierliche Unterstützung fördern.
Stationäre Akutpflege
Auf schnelle Veränderungen reagieren
Menschen mit akuten und chronischen Gesundheitsproblemen begleiten, diagnostisch-therapeutische Maßnahmen unterstützen und Veränderungen frühzeitig erkennen.
Abschlussbaustein
Kompetenzen zusammenführen
Weitestgehend selbstständig handeln, pflegerisches Vorgehen fachlich begründen und evaluieren sowie auf die praktische Abschlussprüfung vorbereiten.
Ein gleiches Raster für alle Einsätze
Nicht die konkreten Inhalte sind in allen Einsätzen gleich. Gleich bleiben der Aufbau des Ausbildungsplans und die grundlegende Gestaltung der Praxisanleitung.
Die Inhalte des Rahmenausbildungsplans wurden vollständig übernommen, für die Praxisanleitung und die Erstellung innerbetrieblicher Ausbildungspläne jedoch so strukturiert, dass Praxisanleiter:innen von konkreten Pflegesituationen und damit aus der Praxis heraus denken können.
Der innerbetriebliche Ausbildungsplan legt fest, was vermittelt werden soll. Gelernt wird innerhalb konkreter Pflegesituationen.
Zu Beginn jedes Einsatzes lernen die Auszubildenden die Einrichtung, den konkreten Arbeitsbereich und die dort versorgten Menschen kennen. Gleichzeitig werden der bisherige Lernstand, die vorgesehenen Ausbildungsinhalte und die Organisation der Praxisanleitung miteinander abgestimmt.
Einrichtung und Versorgungsbereich
- Auftrag und Aufgaben der Einrichtung kennenlernen
- Versorgungsbereich und Zielgruppen erfassen
- Aufbau und Organisation des Arbeitsbereichs erkunden
- Wichtige Abläufe und Ansprechpartner kennenlernen
- Pflegeverständnis und Pflegekonzept einordnen
- Formen der Zusammenarbeit im Team kennenlernen
Lernstand und Einsatzplanung
- Bisherige Erfahrungen und Lernfortschritte erfassen
- Persönliche Lernbedarfe und Erwartungen besprechen
- Inhalte des innerbetrieblichen Ausbildungsplans klären
- Lernziele und Schwerpunkte für den Einsatz vereinbaren
- Geplante Aufgaben und Lerngelegenheiten abstimmen
- Zeiten für Praxisanleitung, Reflexion und Auswertung vereinbaren
Die Ausbildung erfolgt an konkreten zu pflegenden Menschen. Praxisanleitende und Auszubildende gestalten die gesamte Pflege gemeinsam. Die Auszubildenden übernehmen diejenigen Aufgaben, die ihrem Lernstand und den Vorgaben des jeweiligen Einsatzes entsprechen. Andere Bestandteile übernimmt die Praxisanleitung. Dadurch erleben die Auszubildenden Pflege als zusammenhängenden Prozess und erfahren zugleich ihre Aufgaben- und Kompetenzgrenzen.
Bezugsanleitungsklienten festlegen
In der stationären Langzeitpflege und in ambulanten Pflegediensten können zu Beginn eines Einsatzes zwei bis drei geeignete Bezugsanleitungsklienten ausgewählt werden. Die Auswahlkriterien sind bereits im innerbetrieblichen Ausbildungsplan des jeweiligen Einsatzes festgelegt.
Auswahlkriterien
Warum wiederholt dieselben Menschen?
Die Klienten werden nicht vor jeder Anleitung neu ausgewählt. Die Auszubildenden arbeiten während des Einsatzes wiederholt mit diesen Menschen.
- Menschen und Lebensgewohnheiten kennenlernen
- Pflegeplanung zunehmend besser verstehen
- Veränderungen über längere Zeit wahrnehmen
- Verschiedene Lerninhalte miteinander verbinden
- Auch außerhalb geplanter Anleitungen weiterlernen
- Schrittweise mehr Aufgaben übernehmen
- Pflege als zusammenhängenden Prozess verstehen
Vier Schritte der Praxisanleitung
Der Ablauf bleibt grundsätzlich gleich. Welche Inhalte aufgegriffen werden und welchen Grad an Selbstständigkeit die Auszubildenden erreichen sollen, richtet sich nach dem jeweiligen Einsatz und dem bisherigen Lernstand.
1 Konkrete Praxisanleitung vorbereiten Pflegesituation, Lernstand und Aufgabenverteilung klären
Vor der einzelnen Anleitung wird geklärt:
- Welcher Bezugsanleitungsklient steht im Mittelpunkt?
- Hat sich seine Pflegesituation verändert?
- Welche Pflege ist aktuell geplant?
- Was weiß und kann die auszubildende Person bereits?
- Welche Inhalte des innerbetrieblichen Ausbildungsplans sollen heute aufgegriffen werden?
- Welche Aufgaben übernimmt die auszubildende Person?
- Welche Aufgaben übernimmt die Praxisanleitung?
- Wann ist eine Abstimmung mit der Pflegefachperson erforderlich?
2 Gesamte Pflege gemeinsam gestalten Pflege als zusammenhängenden Prozess erleben
Praxisanleitung und auszubildende Person führen nicht nur eine einzelne Verrichtung durch, sondern gestalten gemeinsam die vollständige Pflege des Menschen.
Je nach Lernstand kann die auszubildende Person:
- Aufgaben selbstständig übernehmen
- Aufgaben gemeinsam mit der Praxisanleitung durchführen
- Bei Aufgaben mitwirken
- Einzelne Handlungen zunächst beobachten
- Unterstützung oder Rückmeldung einfordern
Die Praxisanleitung übernimmt Bestandteile, die:
- in diesem Einsatz noch nicht gefordert sind,
- nicht dem aktuellen Lernstand entsprechen,
- nicht übertragen werden dürfen
- oder der Pflegefachperson vorbehalten bleiben.
Kompetenzgrenzen werden dadurch nicht nur erklärt, sondern in der realen Versorgungssituation erlebt.
3 Gezielte Praxisanleitung Festgelegte Inhalte erklären, demonstrieren und üben
Ausgehend von der gemeinsam erlebten Pflegesituation werden gezielt diejenigen Themen und Handlungen aufgegriffen, erklärt und geübt, die im innerbetrieblichen Ausbildungsplan für diesen Einsatz vorgesehen sind.
Die Praxisanleitung prüft:
- Welche Inhalte sind für diesen Einsatz festgelegt?
- Welche davon zeigt die aktuelle Pflegesituation?
- Was wurde bereits vermittelt?
- Wo bestehen noch Unsicherheiten oder Übungsbedarfe?
- Was kann heute erklärt, demonstriert oder gezielt geübt werden?
- Welcher Grad der Selbstständigkeit wird angestrebt?
Dabei können:
- pflegerische Zusammenhänge erklärt,
- Entscheidungen und Beobachtungen besprochen,
- einzelne Handlungen demonstriert,
- Tätigkeiten gezielt geübt oder wiederholt,
- alternative Vorgehensweisen erprobt
- und Ergebnisse unmittelbar ausgewertet werden.
Der innerbetriebliche Ausbildungsplan bestimmt, was gelernt werden soll. Die konkrete Pflegesituation ermöglicht, es im Zusammenhang zu vermitteln und zu üben.
4 Reflektieren und abschließen Lernfortschritte auswerten und nächste Schritte planen
Zum Abschluss werden:
- die Pflegesituation reflektiert,
- Selbst- und Fremdeinschätzung verglichen,
- Lernfortschritte festgehalten,
- offene Lernbedarfe benannt,
- Übungs-, Beobachtungs- oder Reflexionsaufgaben vereinbart,
- nächste Lernschritte geplant
- und Ergebnisse gegebenenfalls im Ausbildungsnachweis dokumentiert.
Was, in welchem Zusammenhang und wie?
Innerbetrieblicher Ausbildungsplan
Er legt fest, welche Inhalte in diesem Einsatz vermittelt werden sollen.
Vollständige Pflegesituation
Sie bildet die methodische Rahmensituation, in der Aufgaben und Kompetenzgrenzen erlebt werden.
Gezielte Praxisanleitung
Sie greift die festgelegten Inhalte auf und vertieft sie durch Erklären, Demonstrieren, Üben und Reflektieren.
Was bleibt gleich – was verändert sich?
Das bleibt gleich
- Die zwei Lernbereiche
- Die Arbeit mit konkreten Pflegesituationen
- Das Prinzip der Bezugsanleitungsklienten
- Die vollständige Pflege als Ausgangspunkt
- Die Orientierung am innerbetrieblichen Ausbildungsplan
- Das Sichtbarmachen von Kompetenzgrenzen
- Die gezielte Vertiefung einzelner Inhalte
- Reflexion und weitere Lernschritte
Das verändert sich
- Die konkreten Ausbildungsinhalte
- Die Kriterien für geeignete Klienten
- Die Komplexität der Pflegesituationen
- Der erwartete Grad der Selbstständigkeit
- Die Aufgaben- und Verantwortungsbereiche
- Die Übungs- und Reflexionsaufgaben