Es ist immer nur ein Baustein geöffnet. Unterstrichene Begriffe öffnen Zusatzwissen.
Was ist ein Pflegemodell?
Pflegemodelle beschreiben, was professionelle Pflege als eigenständiger Beruf leisten soll und in welchen Bereichen sie selbstständig tätig wird.
Ein ist eine vereinfachte Abbildung der Pflegewirklichkeit. Es gibt der Pflege einen fachlichen Orientierungsrahmen.
Keine festen Handlungsanweisungen, sondern Hilfe, Pflegesituationen wahrzunehmen, zu erklären und pflegerisches Handeln zu begründen.
Worüber machen Pflegemodelle Aussagen?
Die meisten Pflegemodelle beschäftigen sich mit vier Grundfragen. Sie gehen auf das zurück.
- Mensch: Wie wird der Mensch verstanden?
- Gesundheit und Krankheit: Was bedeuten Gesundheit, Krankheit und Pflegebedürftigkeit?
- Umwelt: Welche Bedeutung haben Lebensumfeld, Beziehungen und gesellschaftliche Bedingungen?
- Pflege: Welche Aufgaben und Ziele hat professionelle Pflege?
Die Modelle beantworten diese Fragen unterschiedlich und setzen jeweils einen eigenen Schwerpunkt.
Warum sind Pflegemodelle wichtig?
Das verwendete Pflegemodell beeinflusst,
- worauf Pflegepersonen besonders achten,
- welche Fähigkeiten, Bedürfnisse oder Probleme sie wahrnehmen,
- wie sie einen Pflegebedarf erklären,
- welche Pflegeziele sie festlegen,
- welche pflegerischen Handlungen sie daraus ableiten.
Das Pflegemodell ist die „Brille“, durch die Pflegepersonen eine Pflegesituation betrachten.
Pflegemodelle nach Schwerpunkt
Jedes Modell setzt einen eigenen Schwerpunkt. Tippen Sie eine Zeile an, um die Leitfrage des Modells zu sehen.
BedürfnisorientiertVirginia Henderson
LeitfrageWelche grundlegenden Bedürfnisse hat der Mensch, und wobei braucht er Unterstützung, um möglichst unabhängig zu sein?
AktivitätsorientiertRoper–Logan–Tierney
LeitfrageWie bewältigt der Mensch seine Lebensaktivitäten, und wie verändert sich dabei sein Grad an Abhängigkeit oder Unabhängigkeit?
Fähigkeits- und ressourcenorientiertMonika Krohwinkel
LeitfrageWelche Fähigkeiten, Ressourcen und Probleme zeigen sich in den Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens (AEDL)? Das Modell baut auf Roper auf.
SelbstpflegeorientiertDorothea Orem
LeitfrageWas kann der Mensch selbst für sich tun, und wo besteht ein Selbstpflegedefizit, das professionelle Pflege erforderlich macht?
Beziehungs- und interaktionsorientiertHildegard Peplau
LeitfrageWie kann die professionelle Beziehung zwischen Pflegeperson und Patient zur Bewältigung seiner Situation beitragen?
AnpassungsorientiertCallista Roy
LeitfrageWie reagiert der Mensch auf innere und äußere Veränderungen, und wie kann Pflege eine gelingende Anpassung fördern?
Psychobiografisch, für alte und verwirrte MenschenErwin Böhm
LeitfrageWie prägen Biografie und Gefühlswelt das heutige Verhalten, und wie lassen sich vorhandene Fähigkeiten reaktivieren?
Diese Einteilung ist eine didaktische Orientierung, keine feste Systematik. Überschneidungen sind normal.
Übergang zum Modell nach Böhm
Die bisherigen Modelle gelten für Menschen in unterschiedlichsten Pflegesituationen. Erwin Böhm entwickelte sein Modell dagegen aus der Arbeit mit alten, verwirrten Menschen.
Sein Ansatz: Verhalten ist nicht bloß Symptom, sondern Ausdruck von Prägung, Lebensgeschichte und seelischem Erleben.
Was bedeutet dieses Verhalten für diesen Menschen?
Fähigkeiten und Ressourcen stehen auch bei anderen Modellen im Blick, zum Beispiel bei Krohwinkel und Orem. Das Besondere bei Böhm ist die Deutung des Verhaltens aus der Lebensgeschichte heraus.
Modell oder Theorie?
Ein Modell ist eine vereinfachte Abbildung der Pflegewirklichkeit und gibt Orientierung.
Eine Theorie will Zusammenhänge erklären oder vorhersagen.
In der Literatur werden beide Begriffe nicht einheitlich verwendet. Deshalb heißt auch Böhms Ansatz „Modell“, obwohl er theoretische Annahmen enthält.
Metaparadigma der Pflege
Das Metaparadigma beschreibt die zentralen Begriffe, mit denen sich Pflegetheorien und Pflegemodelle befassen. In der Literatur meist genannt (u. a. Fawcett): Person, Umwelt, Gesundheit, Pflege.
Hier ist es für die Praxis leicht erweitert: Der zweite Punkt lautet „Gesundheit und Krankheit“ und nennt auch die Pflegebedürftigkeit. Das ist eine bewusste Anpassung und keine Standardformel.
Lehrbuchsystematik
Die gängige Lehrbuchsystematik unterscheidet meist drei Gruppen:
- Bedürfnismodelle
- Interaktionsmodelle
- Pflegeergebnismodelle
Orem und Roy werden dort häufig den Ergebnismodellen zugeordnet. Die Tabelle in diesem Baustein ist dagegen eine didaktische Einteilung nach dem vorherrschenden Fokus. Beide Sichtweisen sind vertretbar, keine ist „die“ Einteilung.
Allgemein- oder Spezialmodell?
Allgemeinmodelle sind für Pflegesituationen aller Art gedacht, zum Beispiel Henderson, Roper–Logan–Tierney und Orem.
Böhms Modell ist ein Spezialmodell. Es entstand aus der Psychogeriatrie und richtet sich gezielt auf alte, verwirrte und demenziell veränderte Menschen.
Genau diese Besonderheit ist der Einstieg in unser Thema Demenz.
Kritische Einordnung zu Böhm
Böhms Konzept ist in der Praxis, vor allem im deutschsprachigen Raum, sehr einflussreich.
Seine empirische Fundierung und wissenschaftliche Überprüfung sind allerdings deutlich schwächer als bei vielen anderen Modellen.
Das gehört zu einer ehrlichen Einordnung dazu. Und es regt an zu fragen: Woran erkennen wir, dass ein Ansatz in der Praxis hilft?