Und was bedeutet das für die Praxis?
Wer übernimmt was — und warum ist das nicht so einfach?
Die Kernaussagen
- Pflege differenziert sich zunehmend in Qualifikationsstufen — von der Assistenz bis zur hochschulisch qualifizierten Pflege.
- Nicht die Maßnahme entscheidet, wer sie übernimmt — sondern die Komplexität der Pflegesituation.
- Die Pflegefachassistenz handelt selbstständig in nicht komplexen Situationen. Die Pflegefachperson übernimmt komplexe Pflege selbst — und steuert gleichzeitig die Gesamtversorgung.
- Für die Ausbildung heißt das: nicht Tätigkeiten trainieren, sondern Handlungskompetenz aufbauen.
Nachlese: der ganze Gedankengang
Pflegefachassistenz, Pflegefachperson, spezialisierte/akademische Pflege — wo sehen Sie heute tatsächlich Unterschiede in Ihrer Einrichtung?
Pflegeassistenz
Pflegefachperson
Spez. Fachpflege / Leitung
Hochschulisch qualifiziert
Der aktuelle Interventionskatalog bildet diese Differenzierung bereits konkret ab.
Welche Qualifikationsstufe übernimmt was? Ein sinnvoller erster Zugang, um überhaupt ins Denken zu kommen:
Gleiche Maßnahme, gleiche Kompetenzanforderung? Beispiel Körperpflege:
stabil, orientiert, weitgehend selbstständig
Demenz, Abwehr, erhöhtes Sturzrisiko
akute Dyspnoe, deutliche Schwäche, Kreislaufinstabilität
Die Maßnahme ist gleich. Die Pflegesituation nicht.
Komplexität kann entstehen durch:
Das Pflegefachassistenzgesetz unterscheidet deshalb zwischen selbstständigem Handeln in nicht komplexen und Mitwirkung in komplexen Pflegesituationen.
Was heißt „komplex"? Mehr als „schwer krank":
Projekt KOMPLEX: Multivariabilität · Vernetztheit · Nichtlinearität · Polytelie · Intransparenz · Dynamik
Pflegefachassistenz — nicht komplexe Situationen
- Geplante Pflege weitgehend selbstständig durchführen
- Beobachten, Veränderungen erkennen
- Weitergeben
- Eigene Grenzen erkennen
Pflegefachperson — komplexe Situationen
- Komplexe direkte Pflege übernehmen (z. B. Schluckstörungen, instabile Schmerzen, chronische Wunden)
- Situation fachlich einschätzen, Pflegeprozess planen/steuern
- Aufgaben kompetenzgerecht übertragen, evaluieren
- Assistenzpersonen anleiten
Fachlichkeit heißt nicht: alles selbst machen.
Pflegefachassistenz
- Situationen einschätzen lernen
- Selbstständig im eigenen Kompetenzbereich handeln
- Grenzen erkennen
- Rechtzeitig Unterstützung holen
Praxisanleitung
- Lernende nicht nur an Tätigkeiten heranführen
- Unterschiedlich komplexe Situationen gezielt auswählen
- Rollen im Qualifikationsmix sichtbar machen
Zur Diskussion — nehmen Sie eine typische Pflegesituation:
- Was macht sie einfach oder komplex?
- Was kann die Pflegefachassistenz übernehmen?
- Was muss die Pflegefachperson selbst übernehmen oder steuern?
- Wann braucht auch die Fachkraft zusätzliche Expertise (QN 5/6)?